Solar: Zoll-Streit mit China

 

Die Europäische Union hat Strafzölle für chinesische Solarmodule beschlossen. Dies wurde trotz des deutschen Widerstandes beschlossen. Die EU will damit einem weiteren Sterben von europäischen Solar-Firmen vorbeugen. Wenn es zwischen der EU und China zu keiner kurzfristigen Einigung kommt, könnten die Strafzölle in den kommenden Monaten drastisch steigen.

Dumping-Vorwürfe

Laut einer EU-Kommission sind die Dumping-Vorwürfe gegenüber chinesischen Solar-Firmen berechtigt. Der Verbund "EU ProSun" von verschiedenen europäischen Solar-Unternehmen hat diese Untersuchung gefordert. "EU ProSun" ist bereits seit mehreren Monaten aktiv. Deutsche Unternehmen, insbesondere Solarworld, spielen in diesem Verbund eine entscheidende Rolle. Nun kann dieser Verbund den ersten Erfolg verbuchen. "EU ProSun" hatte die hohen chinesischen Subventionen und Niedrigzins-Kredite für chinesische Solar-Hersteller kritisiert.

Kritische Stimmen zu Strafzöllen

Aus Deutschland und vielen anderen europäischen Staaten gibt es aber sehr kritische Äußerungen zu den eingeführten Solar-Strafzöllen. Oftmals wird hier eine einvernehmliche Lösung ohne die Solar-Strafzölle gefordert. Strafzölle sind immer ein Eingriff in den freien Wettbewerb. Für den freien und fairen Wettbewerb sind gleiche Bedingungen für alle Unternehmen notwendig. Diese fairen Wettbewerbsbedingungen beziehen sich aber nicht nur auf Zölle, sondern auch auf zinsgünstige bzw. zinslose Kredite und Subventionen.

Folgen der Strafzölle für Deutschland

In Deutschland hängen inzwischen sehr viele Jobs direkt und indirekt von der Solar-Branche ab. Eine sehr große Rolle spielt hierbei inzwischen das Handwerk. Die Installation von Solaranlagen durch kleine Handwerksbetriebe ist auch gesamtwirtschaftlich bedeutsam geworden. Die Bedeutung der reinen Herstellung von Solar-Produkten hat in letzter Zeit aber stark abgenommen.

Wenn es jetzt zu hohen Preissteigerungen für Solarmodule und andere notwendige Teile kommen sollte, gefährdet dies auch Tausende deutscher Arbeitsplätze im Handwerk. Zudem könnten die Wachstumsraten von Ökostrom, der mittels Photovoltaikanlagen gewonnen wird, deutlich zurückgehen.

Wenn es gar zu chinesischen Gegenmaßnahmen, z.B. in Form von Strafzöllen auf andere europäische Produkte, kommen sollte, könnte dies fatale Folgen haben. Im Extremfall könnte dies zu einem Handelskrieg der EU mit China führen.

Sollte China einlenken und auf zinsgünstige bzw. zinslose Kredite und Subventionen verzichten, würde dies vermutlich relativ kurfristig auch zu vielen Insolvenzen in China führen. Auch in China gibt es viele Solar-Unternehmen, die hoch verschuldet sind und nur durch zinsgünstige bzw. zinslose Kredite am Leben erhalten werden. Wenn China also einlenkt, würde es zu einer Marktbereinigung kommen. Diese Marktbereinigung wäre zwar schmerzhaft, würde aber nur eine Branche betreffen.

Ein möglicher Handelskrieg, der sich auf immer mehr Branchen ausweitet, hätte aber unabsehbare Folgen für China und die EU.

Update

Gerade hat China einen Strafzoll auf europäischen Wein angekündigt. Momentan deuten alle Anzeichen also auf einen Handelskrieg mit China hin.